Liebe Leserin, lieber Leser,

Mein Weg zum Schriftsteller war ziemlich interessant. Alles begann damit, dass ich mein „normales“ Leben hinter mir ließ und beschloss, meinen Lebenstraum, die Welt zu sehen, zu verwirklichen. Zu diesem Zeitpunkt war ich zweiunddreißig Jahre alt. Eigentlich zu alt, um eine lukrative Karriere aufzugeben und wie ein Schuljunge zu handeln, sagten mir viele Leute. Als sie hörten, was ich geplant hatte, bekam ich häufig das Wort „verrückt“ an den Kopf geworfen.

Wenn man – wie ich – von ganz unten anfängt und sich nach oben arbeitet, schmeißt man nicht einfach alles weg, so lautete der Grundgedanke. Es war hart. Ich erreichte einen Punkt, an dem ich mich nicht mehr darin sah, denselben Weg weiterzugehen und mit mir im Einklang zu sein. Ob hart oder nicht: Es musste sich etwas ändern.

Der Beginn meines Abenteuers...

Obwohl es für die meisten verrückt schien, machte ich mich zu diesem Abenteuer auf: Ein Jahr als Rucksacktourist die ganze Welt bereisen. Nur eine Woche nach meinem Aufbruch schrieb ich in mein Tagebuch, dass es vor meiner Abreise Tausende von Gründen gab, warum diese Reise keinen Sinn machte. Doch nach nur sieben Tagen hatte sich herausgestellt, dass keiner dieser Gründe eine Daseinsberechtigung hatte.

Dieses Jahr hat mein Leben verändert. Ich konnte die Menschen, Tiere, Ruinen und Kulturen, von denen ich seit meiner Kindheit geträumt hatte, endlich hautnah erleben. Ich lernte mehr über das Leben, die Welt und mich als in all den Jahren zuvor. Und was vielleicht am wichtigsten ist: Zum ersten Mal nach langer Zeit fühlte ich mich frei.

Etwa vier Monate nach meiner Rückkehr nach Hause sagte mir Etwas, dass ich mich hinsetzen und mit dem Schreiben beginnen sollte. Es war wie ein innerlicher Leitgedanke. Wenn man in Ländern unterwegs ist, deren Sprache man nicht spricht und deren vielfältige Schattierungen man nicht kennt, lernt man, sich auf diese Art von innerlichem Leitgefühl zu verlassen. Oftmals ist es nämlich alles, was man hat. Als es mir also sagte „schreib“, setzte ich mich hin und schrieb.

Drei Wochen lang strömte etwas durch mich hindurch und landete über die Finger auf weißem Papier, das sich nach und nach füllte. Ich dachte nicht einmal darüber nach, was ich da schreiben würde. Ich las nicht einmal, was durch mich hindurchströmte und in geschriebenen Worten seinen Ausdruck fand. Ich schrieb einfach. Nach den drei Wochen fühlte ich, dass dieser innere Fluss abebbte. Ich druckte also aus, was ich geschrieben hatte, und legte es in ein Regal, auf dem ich es eine Weile ruhen ließ. Was ich eine Woche später auf diesen Seiten fand, als ich sie las, ist das, was man jetzt in meinem ersten Buch „Das Café am Rande der Welt“ findet.

Seit diesem Tag lief nicht immer alles glatt. Ich wurde von mindestens einhundert Verlagen auf der ganzen Welt abgewiesen. Vielleicht liegt die Zahl sogar eher bei zweihundert. Jemand, der es nicht geschafft hatte, mein Buch zu lesen, als ich es versendet hatte, übermittelte mir sogar ein Ablehnungsschreiben, als mein Buch bereits auf der Bestsellerliste stand.

Da sind wir nun. Diese kleine Geschichte wurde in 35 Sprachen übersetzt und hielt sich 156 Wochen lang auf drei verschiedenen Kontinenten auf dem ersten Platz der Bestsellerlisten. Doch viel wichtiger ist: Es hat die Leser in einer Art und Weise angesprochen, die sie inspiriert hat. Und das ist wunderbar.

Es war auch der Anfang, auf den viele weitere Bücher folgten: Wiedersehen im Das Café am Rande der Welt, The Big Five for Life, The Big Five for Life Continued, Safari des Lebens, Was nützt der schönste Ausblick, wenn man nicht aus dem Fenster schaut …, die die Leser ebenfalls berührt und inspiriert haben. Und zwar drei Millionen unter ihnen, was fantastisch ist, jedoch auch die Demut schult.

Als Kind träumte ich davon, ein Abenteurer zu sein. Als ich diesen Traum verwirklichte, nahm mein Leben Fahrt auf. Ich bin im Herzen noch immer ein Abenteurer, und der größte Kick für mich ist, anderen Menschen dabei zu helfen, den Sprung in das Leben zu wagen, für das sie geboren sind.